Venedig
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Richard Wagner hat Venedig insgesamt sechsmal besucht. Einen ersten Eindruck beschreibt er so: "Auf der Fahrt den großen Canal entlang zur Piazzetta melancholischer Eindruck und ernste Stimmung: Größe, Schönheit und Verfall dicht neben einander." In seiner Autobiografie (Mein Leben) heisst es "...ich hatte die unvergleichliche Schönheit Venedigs zu würdigen begonnen, und ich war voller Hoffnung, aus dem Genusse derselben schöne Kräfte für meine wiederkehrende künstlerische Lebenslust zu ziehen."
- 29. August 1858 bis 24. März 1859:
Wagner wohnt eine Nacht im Hotel Danieli und bezieht dann ein kleines Appartement im Palazzo Giustiniani am Canal Grande. Dort arbeitet er vor allem an der Komposition und Instrumentierung des zweiten Aufzugs von Tristan und Isolde.
- 8. bis 11. November 1861:
Wagner besucht auf Einladung von Otto und Mathilde Wesendonck von Wien aus Venedig, er wohnt im Hotel Danieli. Bemerkenswert für diesen Kurzaufenthalt ist die damit in Verbindung stehende "Inspiration" zur Komposition der Meistersinger, die Wagner nach eigenem Bekunden beim Anblick der "Assunta" (Der in den Himmel auffahrenden Maria) Tizians erhalten haben will. Auf der Rückfahr von Venedig nach Wien konzipierte er bereits "mit größter Deutlichkeit den Hauptteil der Ouvertüre in C-dur" - so behauptet er in Mein Leben, was nachweislich nicht exakt so stimmen konnte: erst nach Rückkehr in Wien lernte er ein bedeutsames musikalisches Motiv kennen (in einem Band der Nürnberg-Chronik "Von der Meister Singer holdseligen Kunst" des Gelehrten Wagenseil), das zum Hauptthema des Meistersinger-Vorspiels werden sollte.
- 19. bis 26. September 1876:
Nach den Strapazen der Uraufführung des Ring begibt sich Wagner mit seiner Familie nach Italien, Venedig ist die erste Station nach kurzem Aufenthalt in Verona. Man wohnt im Hotel Europa am Canal Grande.
- 4. bis 30. Oktober 1880:
Wagner mit Familie, aus Neapel und Siena kommend macht Station in Venedig, wohnt zwei Tage im Hotel Danieli und bezieht dann am Canal Grande den Palazzo Contarini dalle Figure. Hier empfängt Wagner das Einverständnis Ludwigs II., ihm Chor und Orchester des Münchener Hof- und Nationaltheaters für die Parsifal-Uraufführung zur Verfügung zu stellen.
- 15. bis 29. April 1882:
Aus Sizilien kommend trifft die Familie Wagner in Venedig ein und wohnt im Hotel Europa. Danach reist man über München und Nürnberg nach Bayreuth zurück.
- 14. September 1882 bis 13. Februar 1883:
Letzter Aufenthalt Wagners in Venedig. Man wohnt zwei Tage im Hotel Europa und bezieht dann ein geräumiges aber relativ schlichtes - jedoch gut zu heizendes - Zwischengeschoß im ersten Stock des Seitenflügels von Palazzo Vendramin-Calergis am Canal Grande. Er stirbt dort am 13. Februar 1883.
